Diese Website verwendet Funktionen, die Ihr Browser nicht unterstützt. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf eine aktuelle Version.

Konstantin Pott, MdL

„Schlusslicht – das ist vorbei“

Zur Person

Jahrgang 1997, einer der jüngsten Abgeordneten im Landtag Sachsen-Anhalt. Fachpolitischer Sprecher für Gesundheit & Pflege; Soziales & Familie; Frauen, Gleichstellung & Diversity; Hochschule & Wissenschaft sowie Digitales. Wahlkreis: Halle (Saale), Betreuungswahlkreis: Bördekreis.

Fünf Fragen an Konstantin Pott. Mit 23 Jahren zog er als jüngster Abgeordneter in den Magdeburger Landtag ein – in der FDP-Fraktion zuständig für Gesundheit, Soziales, Hochschulen und Digitalisierung. Fünf Jahre später zieht er Bilanz: Was wurde erreicht, was bleibt – und warum verlässt er bewusst die politische Bühne?

01

Gesundheit
Überlastete Krankenhäuser, Pflegekrise, Fachkräftemangel: Viele Menschen haben das Gefühl, im Gesundheitssystem läuft vieles schlechter als früher. Was entgegnen Sie denen, die sagen: viel geredet, wenig verändert?

Stimmt nicht. Wir haben viele Sachen auf den Weg gebracht. Bei der Pflege haben wir die Schulgeldfreiheit für die Pflegehilfe beschlossen, weil wir wollen, dass die Ausbildung nicht vom Geldbeutel abhängt. Wer in der Pflege oder als Erzieher arbeitet, leistet systemrelevante Arbeit. Das muss sich darin zeigen, dass der Berufseinstieg nicht an finanziellen Hürden scheitert.

Wir haben uns als Liberale außerdem auf den Weg gemacht und als einzige Fraktion ein eigenes Krankenhauskonzept erarbeitet. Wir brauchen einen Plan, wie es in Zukunft weitergehen soll: Grundversorgung im ländlichen Raum sichern, komplexe Eingriffe bündeln, Doppelstrukturen abbauen und wo klassische Strukturen nicht mehr tragbar sind, auf medizinische Versorgungszentren setzen. Damit wir auch in 20 und 30 Jahren noch eine Krankenhauslandschaft haben, die leistungsfähig ist und die Patienten versorgen kann.

Inzwischen haben wir als Koalitionsfraktionen ein Krankenhausgesetz in den Landtag eingebracht, das in die richtige Richtung geht: Spezialisierung, Qualität, Kooperationen statt Kleinstaaterei.

Wir haben also einiges geschafft, auch beim Fachkräftemangel, wo die Schulgeldfreiheit ein erster konkreter Schritt ist. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen.

02

Hochschulen
Sie waren mit 23 Jahren der jüngste Abgeordnete, als die FDP wieder in den Landtag kam – zuständig für Digitalisierung, Kl, Hochschulen, Wissenschaft. Hand aufs Herz: Ist Sachsen-Anhalt heute zukunftsfähiger als vor fünf Jahren?

Auf jeden Fall. Wir haben zum Beispiel neun Millionen Euro zusätzlich für die Hochschulen bereitgestellt, damit sie in die digitale Infrastruktur investieren und Hörsäle ausstatten konnten. Im Vorfeld haben wir gefragt, was die Bedarfe sind – und dann entsprechend die Summen bereitgestellt. Das ist kein Gießkannenprinzip, sondern gezielte Förderung dort, wo sie gebraucht wird. Wer in die Hochschulen investiert, investiert in die Menschen, die das Land in der Zukunft mit tragen werden.

Generell bei der Digitalisierung haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sachsen-Anhalt war lange Schlusslicht – das ist vorbei. Wir sind ins Mittelfeld vorgerückt und wollen weiter nach oben.

Und es gibt einen Erfolg, der noch lange nachwirken wird: Sachsen-Anhalt hat erstmals ein Exzellenz-Cluster an den Hochschulen etabliert. Das macht die Hochschullandschaft attraktiver, zieht kluge Köpfe ins Land und wird in Forschung und Entwicklung Effekte haben, die wir heute erst ahnen – das ist die Art von Investition, die sich nicht sofort auszahlt, aber dafür nachhaltig ist.

Das ist für mich moderne Sozialpolitik: unterstützen, wo es gebraucht wird – aber nicht bevormunden.

Konstantin Pott (FDP)

03

Soziales
Die FDP wird nicht sofort mit Sozialpolitik verbunden. Wo haben Sie konkret gezeigt, dass Freiheit und soziale Fürsorge zusammengehören?

An ganz vielen Beispielen. Wir haben die Frauenhäuser finanziell gestärkt und besser gefördert – mit zusätzlichem Personal, weil wir nach Corona mehr Fälle häuslicher Gewalt gesehen haben und die Frauenhäuser mehr Unterstützung brauchten. Liberale Politik setzt genau da an: Menschen helfen, die wirklich auf Hilfe angewiesen sind. Dazu haben wir 900.000 Euro für die Modernisierung der Einrichtungen bereitgestellt.

Ein anderes Beispiel ist Chancengerechtigkeit. Wir haben zusätzliche Mittel für die Jugendarbeit bereitgestellt und einen sogenannten Flächenfaktor eingeführt, damit in ländlichen Regionen am Ende mehr Geld für Jugendarbeit da ist. Denn Bildung findet nicht nur in der Schule statt.

Und ganz frisch haben wir mehr Geld für das Personal in den Kitas bereitgestellt. Aktuell sind Kitas häufig am Limit und haben kaum Kapazitäten für echte Bildungsarbeit. Wir dürfen nicht nur die Eltern finanziell entlasten, sondern müssen auch schauen, wie wir Fachkräfte in den Einrichtungen halten. Wir haben weniger Kinder in Sachsen-Anhalt - die dadurch entstehenden Spielräume investieren wir bewusst in Qualität.

Das alles ist für mich Teil moderner Sozialpolitik: unterstützen, wo es gebraucht wird, aber nicht bevormunden. Freiheit und Fürsorge schließen sich nicht aus. Sie gehören zusammen.

04

Mut
Gab es eine Entscheidung, bei der Sie wussten: Das gibt Gegenwind - aber das müssen wir jetzt durchstehen, weil es richtig ist?

Da gab es mehrere. Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass die Corona-Maß-nahmen früher enden als in anderen Bundesländern. Und das haben wir tatsächlich geschafft. Sachsen-Anhalt war das erste Bundesland, das die Eindämmungsverordnung auslaufen ließ. Wir haben Gegenwind bekommen und es trotzdem durchgezogen. Und wir haben dafür gesorgt, dass diese Zeit aufgearbeitet wurde – über eine Regierungskommission, die als erste in ganz Deutschland die Coronamaßnahmen unabhängig und kritisch beleuchtet hat.

Dann das – ein Thema, das über fast 20 Jahre liegengeblieben war. Für uns war klar: mehr Selbstbestimmung, mehr Möglichkeiten. Wir haben das Gesetz an verschiedenen Stellen modernisiert und liberalisiert. Die Ascheentnahme für Erinnerungsstücke ist jetzt möglich, die Tuchbestattung aus religiösen Gründen erlaubt, Sternenkinder erhalten nun generell eine würdevolle Bestattung.

Wir hätten uns noch weitere Schritte vorstellen können, beispielsweise eine generelle Öffnungsklausel für neue Formen wie die Reerdigung. Aber grundlegend haben wir das Gesetz modernisiert, und das ist für uns noch nicht der letzte Schritt. Denn Selbstbestimmung endet nicht mit dem Tod.

05

Abschied
Sie treten nicht wieder zur Wahl an und verlassen den Landtag nach dieser Legislatur definitiv – eine bewusste Entscheidung. Warum? Und was soll von Ihrer Arbeit bleiben?

Ich glaube, es ist immer wichtig, sich nicht von Politik abhängig zu machen. Ich möchte jetzt in einen anderen Lebensabschnitt gehen, andere Erfahrungen in der Wirtschaft machen und schauen, wo mein Weg hinführt. Wenn man anguckt, wie sich der Landtag teilweise zusammensetzt – Leute, die in den letzten 20, 30 Jahren nichts anderes gemacht haben als Politik – dann finde ich das kritisch. Man macht sich abhängig und kennt am Ende nichts anderes mehr. Das möchte ich nicht. Für mich war immer klar: Ein Mandat ist ein Auftrag auf Zeit, kein Lebensplan.

Was bleibt? Das Exzellenz-Cluster an den Hochschulen wird in den nächsten Jahren noch stärker zum Tragen kommen. Das Bestattungsgesetz ist modernisiert, die Coronazeit wurde aufgearbeitet. Und die Kitas, die Frauenhäuser, die Jugendarbeit – das alles sind Bausteine für ein Sachsen-An-halt, das seine Menschen nicht vergisst. Ich hoffe, dass weiterhin die richtigen Schritte gegangen werden. Für ein Land, das für Unternehmen und junge Menschen attraktiv ist und das seinen Bürgerinnen und Bürgern mehr Chancen eröffnet.

Fünf Jahre Landtag haben mich aber auch eines gelehrt: Politik ist ein ständiges Abwägen, aber sie ist eine der wichtigsten Aufgaben für unsere Demokratie.

SO SIEHT MACHEN AUS

• Telenotarzt & Ersthelfer-App

Auf Initiative der FDP wurde eine Experimentierklausel ins Rettungsdienstgesetz geschrieben – Telenotarzt und Ersthelfer-App konnten so erprobt werden. Die Ergebnisse waren so positiv, dass beides jetzt flächendeckend gesetzlich verankert wird. Im ländlichen Raum, wo Rettungswagen oft weite Wege haben, kann das Leben retten.

• Praktisches Jahr im Medizinstudium

Die FDP hat die Reform des Praktischen Jahres an den Unikliniken in Magdeburg und Halle durchgesetzt. Das bedeutet: bessere Bedingungen und angemessene Bezahlung für angehende Ärztinnen und Ärzte, damit mehr von ihnen nach dem Studium im Land bleiben.

• Landzahnarztprogramm

Sachsen-Anhalt hat auf Initiative der FDP das Landzahnarztprogramm ausgebaut - mit Stipendien und gezielter Förderung, um Mediziner langfristig in unterversorgte Regionen zu bringen. Denn bereits heute fehlen in Teilen des Landes Zahnärzte. Darum gilt es, gegenzusteuern.

• Apotheken sichern

Die FDP-Fraktion hat sich klar positioniert: Jede geschlossene Apotheke ist ein Versorgungsrisiko – besonders im ländlichen Raum. Im Landtag setzt sich die FDP für eine zügige Reform der Vergütung ein, damit Apotheken wirtschaftlich bestehen können. Denn: Wer krank ist, braucht einen Ansprechpartner vor Ort.

• Sozialstaat gerechter machen

Die FDP hat im Landtag eine grundlegende Reform des Sozialstaats nach dem Prinzip „Erwirtschaften vor Verteilen" eingefordert. Denn ein gerechtes Sozialsystem unterstützt die, die wirklich Hilfe brauchen - und schafft Anreize für Arbeit statt Abhängigkeit. Dazu gehört auch das Konzept der Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger: Wer Leistungen bezieht und arbeitsfähig ist, soll einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten.

Mein Traum für Sachsen-Anhalt

Den Menschen zutrauen, ihr Leben selbst zu gestalten

Mein Traum ist ein Sachsen-Anhalt, in dem junge Menschen bleiben - weil sie Perspektiven finden. Ein Land, das für Unternehmen attraktiv ist und in dem Ärzte auch gerne auf dem Land praktizieren, weil es sich lohnt und die Bedingungen stimmen. Sachsen-Anhalt hat Stärken: Hochschulen, die international wahrgenommen werden, eine Digitalisierung, die Fahrt aufnimmt, und Menschen, die anpacken. Aber es braucht ehrliche Antworten auf die Herausforderungen: Strukturen verändern, statt nur Geld verteilen. Auch unbequeme Entscheidungen treffen.

Ich möchte eine Politik, die den Menschen zutraut, ihr Leben selbst zu gestalten. Die hilft, wo Hilfe nötig ist, aber nicht bevormundet, wo Eigenverantwortung möglich ist. Fünf Jahre Landtag haben mich überzeugt: Veränderung ist möglich. Aber sie braucht Mut und Geduld. Beides wünsche ich Sachsen-Anhalt.

– Konstantin Pott

FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt   SO SIEHT MACHEN AUS | 2021–2026





V.i.S.d.P: FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, Domplatz 6–9, 39104 Magdeburg Vorsitzender: Andreas Silbersack





Redaktion: Robert Richter Fotos: Hans Eckardt

Redaktionsschluss: 30. Juni 2026