Jahrgang 1975, Jurist, Mitglied des Landtages seit 2021 (zuvor von 2002 bis 2011), Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt sowie Sprecher für Innen- und Sicherheitspolitik, Medienpolitik, Recht, Kommunales und Datenschutz. Wahlkreis: Anhalt-Bitterfeld, Betreuungswahlkreis: Salzlandkreis.
Fünf Fragen an Guido Kosmehl. Der Innen- und Rechtspolitiker der FDP-Fraktion im Landtag zieht Bilanz: über die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit, den langen Weg zu 7.000 Polizisten, den Umgang mit Migration - und warum ein Staat, der zu viel regelt, am Ende schwächer wird.
Freiheit und Sicherheit müssen in Balance bleiben. Die Polizei braucht Befugnisse, wir brauchen einen starken Staat - denn er muss die innere Sicherheit gewährleisten und hat die Legitimation, Recht und Ordnung durchzusetzen. Aber zugleich brauchen wir starke Bürgerrechte - damit man sich gegen einen übergriffigen Staat auch zur Wehr setzen kann.
Der Landtag hat in dieser Legislaturperiode einiges am Polizeigesetz verändert. So haben wir flächendeckend die Bodycams im Streifendienst eingeführt - allerdings mit klaren Grenzen. Wir sind überzeugt, dass diese Maßnahme bestimmte Situationen deeskalieren kann und das Handeln aller Beteiligten transparent dokumentiert.
Darüber hinaus haben wir im Bereich der häuslichen Gewalt die Rechte der Betroffenen - überwiegend Frauen - gestärkt.
Und wir haben den Einsatz sogenannter Taser [Elektroschockpistolen, Anm. d. Red.] ermöglicht. So schließen wir die Lücke, die bislang zwischen Pfefferspray und Einsatz der Schusswaffe klaffte. Wir halten das für sinnvoll und ich bin froh, dass wir das in der Koalition durchsetzen konnten - anfangs waren wir die einzigen, die dafür geworben haben, unseren Beamten dieses Instrument an die Hand zu geben.
Subjektive Sicherheit lässt sich nicht per Gesetz bestimmen. Sie ist etwas, das die Menschen fühlen - gespeist aus Erinnerungen, Wahrnehmungen oder persönlicher Betroffenheit. Aufgabe der Politik ist es, objektiv für mehr Sicherheit zu sorgen, wobei immer klar sein muss: Hundertprozentige Sicherheit kann niemand garantieren.
Die 7.000 Polizeistellen haben wir nicht ganz erreicht. Das liegt nicht daran, dass wir nicht alles versucht hätten. Es liegt daran, dass wir trotz erhöhter Einstellungszahlen nicht alle Auszubildenden übernehmen können, weil sie die Qualitätskriterien nicht erfüllen und deshalb ihre Ausbildung abbrechen. Ich bin aber zuversichtlich, die Zielmarke im nächsten Jahr zu erreichen.
In einem zweiten Schritt muss es darum gehen, dass diese 7.000 auch in der Fläche wirken, im Streifendienst vor Ort. Wer Polizeiverwaltungsaufgaben übernehmen muss, fehlt draußen auf der Straße.
Es gibt nun die Forderung nach 8.000 Stellen. Ich sage: Ein moderater Aufwuchs ist sinnvoll. Teilzeit und Erkrankungen sorgen dafür, dass nie alle Stellen gleichzeitig besetzt sind. Aber 8.000 halte ich für zu hoch. Lieber die Polizeiverwaltung stärken, damit Vollzugsbeamte auf der Straße sind, nicht am Schreibtisch.
Wir machen keine Tabus: Wer kein Aufenthaltsrecht hat und ein Sicherheitsrisiko darstellt, muss das Land verlassen.
Guido Kosmehl (FDP)
Das Thema Migration bewegt die Bürgerinnen und Bürger, und es bewegt auch uns Abgeordnete. Wir haben hier den Paradefall gemeinsamer Zuständigkeiten – von der europäischen über die Bundesebene bis hin zur Landesebene. Ein Land allein kann nicht alles lösen. Gleichwohl haben auch wir hier konkrete Aufgaben zu erfüllen.
Wir haben die Bezahlkarte für Asylbewerber eingeführt – als erstes Land in der Fläche. [Red. Anm.: Asylbewerber erhalten damit Sachleistungen statt Bargeld.] Wir haben eine umfassende Rückführungs-und Abschiebungsoffensive eingeleitet. Es geht nicht nur darum, wie viele irregulär einreisen, sondern auch darum, was mit denjenigen geschieht, die nach einem rechtsstaatlichen Verfahren vollziehbar ausreisepflichtig sind. Dabei haben wir von Anfang an auf freiwillige Ausreisen gesetzt, uns aber auch nicht gescheut, abzuschieben. Wir haben den ersten Straftäter nach Syrien abgeschoben. Wer kein Aufenthaltsrecht hat und ein Sicherheitsrisiko darstellt, muss das Land verlassen. Wir machen hier keine Tabus und werden den Druck weiter hochhalten.
Klar ist auch: Europa braucht einen starken Grenzschutz, der Bund darf die Lasten der Migration nicht auf die Kommunen abwälzen. Alle drei Ebenen müssen zusammenarbeiten. Was wir als Land tun konnten, haben wir gemacht - und sind vorangekommen.
Das passt sehr gut zusammen, denn der Ausgangspunkt ist immer derselbe: Freiheit und Sicherheit gehören zusammen. Es gibt keine Freiheit ohne Sicherheit, aber auch keine Sicherheit ohne Freiheit. Beides muss immer in Balance sein.
Mit der Einführung einer automatisierten Datenanalyse entlasten wir die Polizei bei der Ermittlungsarbeit. Weniger Beamte müssen sich durch riesige Datensätze arbeiten, die in manchen Bereichen in die Terabytes gehen können. Das Instrument braucht die Polizei, um besser und ressourcenschonender arbeiten zu können. Und deshalb haben wir uns für diesen Weg entschieden.
Aber wir haben darauf bestanden, dass diese Daten nicht unbefugt an Dritte weitergegeben werden, zum Beispiel in die USA. Bei Palantir ist schlicht zweifelhaft, ob das Unternehmen Daten nicht auch mit anderen Nationen, Geheimdiensten oder sonstigen Stellen teilt.
Diese sensiblen Daten gehören in die Souveränität Deutschlands und Sachsen-Anhalts. Deshalb haben wir an dieser Stelle klare Grenzen gesetzt. Datenanalyse ja – aber datenschutzkonform und souveränitätswahrend.
Ein guter, funktionierender Staat ist einer, den man nicht merkt. Und in den Situationen, in denen man ihn braucht, bekommt man zielgerichtet und schnell Informationen oder Genehmigungen. Nicht jeder baut jede Woche ein Haus, aber wenn man es tut, muss man wissen, ob und wie man eine Baugenehmigung einreicht und wie schnell sie bearbeitet wird.
Dafür brauchen wir mehr Digitalisierung auf Seiten der Behörden. Hier ist in der Vergangenheit viel verschlafen worden. Aber das allein reicht nicht. Wir müssen auch fragen, welche Regeln überhaupt sinnvoll sind und welche schlicht überflüssig.
Genau dafür haben wir als FDP den Normenkontrollrat durchgesetzt. Er soll die Landesregierung bei Gesetzen beraten: Wie hoch ist der Erfüllungsaufwand für Unternehmen und Bürger? Das ist keine automatisierte Bürokratieabbau-Maschine, aber die Politik muss seine Hinweise ernst nehmen.
Und der Staat sollte nicht alles regeln. Das Tanzverbot am Karfreitag zum Beispiel ist ein Relikt, das wir überwinden müssen, den ersten Schritt haben wir mit einer Lockerung gemacht. Der Staat hat Kernaufgaben. Darauf soll er sich konzentrieren.
• Polizei- & Justizzulage
Auf Initiative der FDP wurden die Zulagen für Beamte im Polizei- und Justizvollzugsdienst um
erhöht - erstmals seit über zehn Jahren. Und: Die FDP hat durchgesetzt, dass die Polizeizulage künftig wieder ruhegehaltsfähig wird - wer sie mindestens zehn Jahre bezogen hat, profitiert davon auch in der Pension.
• Opferhilfefonds
Auf Betreiben der FDP-Fraktion hat die Deutschlandkoalition einen Opferhilfefonds eingerichtet. Betroffene schwerer Straftaten erhalten seit 2023 unbürokratisch Hilfe - mindestens
stehen dafür pro Haushaltsjahr bereit.
• Justiz digital
Die FDP hat die flächendeckende Ausrüstung von Gerichten und Staatsanwaltschaften für Videovernehmungen, Videokonterenzen und Videoanhörungen durchgesetzt - schnellere Verfahren, weniger Aufwand für alle Beteiligten.
• Gerichtsvollzieher
Die FDP hat die Erhöhung der Bürokostenentschädigung von 900 auf
durchgesetzt. Dazu gibt es einen einmaligen Investitionszuschuss für die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs.
• Justizvollzug
Auf Drängen der FDP bleibt die JVA Volkstedt erhalten und wird ausgebaut. Zusätzlich ist der Neubau einer Justizvollzugsanstalt in Halle geplant – für eine zukunftsfähige Struktur im Strafvollzug.
• Mehr Geld für Kommunen
Die Landkreise, Städte und Gemeinden erhalten mehr Geld. Uber den Finanzausgleich fließen inzwischen mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr an die Kommunen. Außerdem erhöhte die Deutschlandkoalition auf Initiative der FDP den Anteil der Kommunen aus den Einnahmen der Feuerschutzsteuer von ursprünglich drei auf nun
Euro pro Jahr für den Brand-und Katastrophenschutz.
Stark genug, um auf eigenen Beinen zu stehen
Mein Traum für Sachsen-Anhalt wird vielleicht überraschen: Ich wünsche mir, dass Sachsen-Anhalt eines Tages Nettozahler imLänderfinanzausgleich wird, also finanziell so stark ist, andere Bundesländer unterstützen zu können. Dass wir mit den Menschen hier – den fleißigen Menschen und den Unternehmen – wirtschaftliche Stärke gewinnen, die es uns erlaubt zu sagen: Wir können mehr aus eigener Kraft tun. Wir sind nicht länger auf Transferleistungen von anderen Bundesländern oder vom Bund angewiesen.
Das klingt nach einem weiten Weg. Aber wer einen starken Staat will, der in seinen Kernaufgaben funktioniert und die Freiheit seiner Bürger schützt, der muss auch wollen, dass dieser Staat auf eigenen Beinen steht. Sicherheit, Rechtsstaat, weniger Bürokratie – das sind die Grundlagen, auf denen wirtschaftliche Starke wächst. Daran arbeiten wir.
– Guido Kosmehl
FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt SO SIEHT MACHEN AUS | 2021–2026
V.i.S.d.P: FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, Domplatz 6–9, 39104 Magdeburg, Vorsitzender: Andreas Silbersack
Redaktion: Robert Richter Fotos: Hans Eckardt
Redaktionsschluss 30. Juni 2026